Archiv des Autors: autorinnenkreisfederspiel

hannes thauerböck: vermischtes

Cellophanverpackte
hüften
rheingoldige
intimzone

staubzuckerbedeckst
tiefgekühlten
innenweltschmerz

nächsteliebende
erregung

DU BISD DA SCHDOA
der ma in schedl des knoirode loch gschlogn hod
der ma des heaz unta seine firasechzg kilo dadrugt
der ma gauns schwa in mein saumogn ligd

du bisd mei edlschdoa
mei werdfoila gloanzada rosngwaz

Vazwikt

gauns sche vazwikt
jezd de log
wei i meina freindin a bussal gem hob
und
ira freindin a

Deine wogenden mohnblumenblütenrosa wölbungen

nahrung für meine hoffnung
diese mit löwenzahnblätterfarbenen küssen
zuzudecken

wie moos die granitenen steine
im böhmerwald

Hannes thauerböck

Persönliches Motto

Genieße den tag
Liebe deine nächste

Literarischer Lebenslauf

gewesenes mitglied bei „Promotheus“
mitglied beim stelzhamerbund gruppe „Neue Mundart
mitglied der schreibwerkstatt „Federspiel“

ich schreibe vorwiegend gedichte in schriftsprache und mundart

lesungen in linz und salzburg

Literarische Veröffentlichungen

Alberndorfer Anthologie nr. 3,6, 11 und 12
Wörterspuren 2012, 2017 und 2018
Donaustrandgut 2019
Literatur im Kleinformat 2015
Lyrische Hefte 1/2020 und 2/2020
DUM das ultimative magazin nr. 94/2020, 98/2021 und 100/2021

Buch „6 x sechs x sex“ 2014

Freies Radio Freistadt 2019,
Radio B138 2021 und 2022

Persönliche Homepage

https://autorinnenkreisfederspiel.wordpress.com/2022/02/11/hannes-thauerbock/

Emailadresse

hanneskunst@directbox.com

Leseprobe

Cellophanverpackte
Du bist da stoa
Vazwikt
Deine wogenden mohnblumenblütenrosa …

Bettina Huber: Falsche Sicherheit

Kapitel 3 aus „Sicher kein Ort. Nirgends“

-Liebst du mich?
-Ja.
-Warum willst du dann nicht mit mir zusammen sein?
-Wir sind zusammen.
-Sind wir nicht.
-Du bist da, ich bin da, wir haben gevögelt … Na, sicher sind wir zusammen!
-Wir vögeln, wir essen, du schläfst in deiner Wohnung. Wir sind sicher nicht zusammen.
-Wie du weißt, bin ich verheiratet.
-Du könntest dich scheiden lassen.
-Das möchte ich nicht.
-Warum nicht?-Ich liebe meine Frau.
-Wie kannst du sie lieben und mit mir ins Bett gehen?
Er lächelte. -Das verstehst du nicht.
-Erklär es mir.
-Find es selber heraus!
-Du lügst mich an.
Er sah sie an. -Nein.
-Du machst mir was vor, weil es bequem ist für dich, eine kleine Geliebte zu haben.
Er packte sie am Hintern und zog sie heftig an sich.
-Du bist so eine süße kleine Geliebte, und ich mag dich so!
Als sie darauf nichts sagte, wühlte er sein Gesicht in ihr Haar.
-Mhm, du riechst gut!
Er schnupperte hinter ihrem Ohr, ihrem Hals und zog mit seiner Nase eine sanfte Linie hinunter bis zum Schlüsselbein. Mit den Lippen wanderte er zurück … Plötzlich, mit einer einzigen raschen Bewegung, leckte er ihr der Länge nach über den Hals. Sie schnaubte. Seine Augen funkelten.
-Soll ich weitermachen?
-Immer wenn es brenzlig für dich wird, weichst du aus. Aber dieses mal kriegst du mich nicht herum, das sag ich dir! Diesmal nagle ich dich fest, weil…
-Festnageln? Oh, ich lass mich gern von dir fest nageln!
-Sicher nicht!
-So?
Sie verbiss sich jeden weiteren Kommentar, machte sich steif und unnahbar. Als er nicht aufhörte, drehte sie sich auf den Bauch.
-Von hinten mag ich eh lieber!
Sie erwiderte nichts.
Er schob ihr Haar zur Seite, küsste sie in den Nacken und dann jeden Wirbel einzeln, den ganzen Rücken entlang.
-Das da ist meine Lieblingsstelle.
Er roch und leckte an der Stelle, und kreiste seinen Daumen darüber.
Sie dachte an Anatomie, topografische Anatomie. Regio lumbalis caudalis, also bei den Tieren, der Übergang von der Lenden- zur Schwanzwirbelsäule, mit der tiefen und oberflächlichen Muskulatur, den Blutgefäßen und Nervenbahnen des Rückenmarks, die hier verliefen, motorischen Nervenfasern und sensiblen, die, die Reize von der Hautoberfläche ins Gehirn leiteten und – sie seufzte – ihr ein Bild vor das innere Auge brachten, das zeigte, was er da gerade machte.
Er machte es gut, und nicht nur das, er machte es gut mit ihr. Er wusste mit Sicherheit, wo und wie er sie anfassen musste. Wie fest. Wo in welchem Moment. Sie brauchte ihm nicht zu sagen, hier oder da nicht. Und er war geduldig. Er streichelte sie mit Hingabe und alles, was sie ihm vorwarf, vergaß sie, wenn er das Vorspiel derart in die Länge zog, ohne ihr das Gefühl zu geben, er langweile sich.
Sein Gefühl für Rhythmen … War das eine Männersache? Oder hatte es mit Musikalität zu tun, die ihr leider so vollkommen fehlte? Musik, ja, das war es, was er da machte, mit wechselnden Tempi und akzentuierten Noten und … er änderte wieder seinen Rhythmus, womit er sie so wahnsinnig machte, dass sie plötzlich nicht mehr wusste, wohin mit ihrer Lust. Ratlos verfolgte sie, wie ihr Höhepunkt unspektakulär verebbte, während er sich die letzten wilden Stöße gönnte.
Das war seine Schuld. Weil er das Gespräch vorhin abgewürgt hatte.
Sie verschnauften. Obwohl es draußen schon dunkel war, drückte die Hitze noch immer herein. Ohne das Licht einzuschalten ging er hinaus, und kam mit einem nassen Handtuch zurück. Er legte es ihr nacheinander auf den Rücken, die Beine und den Oberkörper, was eine herrlich prickelnde Kühle auf ihrer Haut hinterließ. Er warf Handtuch auf den Fußboden, und legte sich zu ihr.
-Du riechst so gut!
-Das glaub ich kaum.
-Warum nicht?
-Na, ja … wir haben grad gevögelt.
-Und?
-Na, das riecht doch … Das ist ekelhaft.
-Was ist ekelhaft? Ich?-Nein, du nicht. Du bist sicher nicht ekelhaft. Du bist schön.
-Was ist dann ekelhaft?
-Ist doch nicht so wichtig.
-Doch. Ich will es wissen. Sag’s mir.
-Ich … ich meine… das stinkt doch. Da unten.
-Was, das?
Er wühlte seine Finger hinein. Sie hatte noch Zeit festzustellen, dass er mit seinen Fingern wühlen konnte, ohne dass das unangenehm gewesen wäre, bevor er ihr seine Finger unter die Nase hielt. Sie schob seine Hand weg. Pfui!
Er roch ausgiebig an seinen nassen Fingern.
-Mhm, riecht gut.
Ihr fiel ein gewisser amerikanischer Präsident ein, der ähnliches von einer nassen Zigarre behauptet hatte.
-Du bist blöd!
-Nein, wieso? Das riecht halt so und ich mag es. Ich bin verrückt danach.
Hieß das, er mochte ihren Geruch, weil er sie mochte? Oder mochte er ganz allgemein den Geruch eines nassen Frauengeschlechts?
-Sag einfach Möse!
-Sicher nicht! Ich hasse dieses Wort.
Welches Wort ist dir lieber?
-Das Wort gibt es nicht.
-Muschi? Fut? Fotze?
-Hör auf!, schrie sie.
Er schwieg, und drückte sie an sich.
Sie genoss es, in seinen Armen zu liegen, und wünschte, es könnte immer so sein.
-Findest du mich ekelhaft?, fragte er.
-Nein, wieso sollte ich?
-Ich bin alt …
-Du übertreibst.
-Wirklich?
-Du bist ein schöner Mann … wie altes Gold. Vielleicht nicht mehr hochglänzend, dafür mit einem warmen, weichen Schimmer – wie eine Patina!
-Aha! Wie schmeichelhaft!
-Glaubst du mir nicht?
-Doch. Wenn du es sagst!
Er ließ sie nicht an sich heran. Das machte sie so wütend, dass sie begann, auf ihn einzureden. Sie suchte nach besseren, noch genaueren Worten, und je mehr sie über ihre Gefühle nachdachte, um so eifriger wurde sie, ihm deren Ernsthaftigkeit darzulegen. Sie redete und redete und redete, bis sie nicht mehr konnte.
-Ich liebe dich, sagte sie. Es klang wie ein Ergebnis, zu dem sie schon oft gekommen war. -Es gäbe kein größeres Glück für mich, als mit dir zusammen zu sein.
Sie hörte ihn im Finsteren lachen.
-Das glaub ich gern.
-Lass es uns versuchen!
-Nein.
-Manchmal weiß ich echt nicht, warum du überhaupt mit mir zusammen bist, außer zum Bumsen natürlich.
-Jedenfalls bumst du nicht schlecht.
-Warum sagst du das? Ich liebe dich und ich will mit dir zusammen sein. Für immer!
-Ich weiß nicht, was dann zwischen uns anders wäre.
-Was anders wäre? Wir gehörten zusammen! Ich wär ein Teil von dir und könnte dich nicht mehr verlieren. Ich wäre nicht mehr allein.
-Ich glaube, du hast eine naive Vorstellung von Beziehung.
-Was ist naiv, wenn man sich einen Hort der Geborgenheit schaffen will. Jeder braucht so einen Rückzugsort, das ist doch normal!
-Du hast doch deine Wohnung hier. Das ist dein Rückzugsort!
-Dieses eiskalte Loch, das völlig überteuert ist und für das ich mir die Heizungskosten vom Mund absparen muss?
-Na, übertreib nicht. Ich sponsere dich sehr gut.
-Du weißt genau, wie kalt es hier ist. Ein Grund, warum du im Winter zum Schlafen nach Hause gehst.
-Dafür bleib ich im Sommer länger. Weil es hier so schön kühl ist!
-Du machst dich lustig über mich.
Er seufzte.
-Wir wollen uns nichts vormachen, ja? Ich bin verheiratet, aber viel allein und dann mag ich ein nettes Mädchen zum Vögeln. Du bist hübsch und lässt dich bequem von einem reichen Mann aushalten. Das ist sicher beides unmoralisch, aber was soll’s?
-Es geht mir nicht um Moral, ich will ein Zuhause, ich will Sicherheit! Ich will einen Platz, wo ich hingehöre. An dem ich mich geborgen fühle, wo ich sein darf, wie ich bin, und wo mir nichts passiert.
-Und der Platz ist in meiner Wohnung?
So viel Zynismus konnte sie nicht ertragen.
-Dieser Platz ist bei dir.
Sie weinte.
-Ich will mit dir zusammenleben, das ist doch nichts, was unmöglich wäre! Es kann doch nicht sein, dass es nicht einen Menschen auf dieser Welt gibt, der mich bei sich haben will. Warum willst du mich nicht haben?
Als Antwort stand er auf, und kramte im finsteren Zimmer herum. Eine Gürtelschnalle klimperte.
-Was machst du?
-Ich geh nach Hause.
Sie schluckte betroffen.
-Wir wollten doch noch essen!
-Mir reicht’s.
Er zog sein Hemd an, steckte es in die Hose, schloß Knopf und Reißverschluss. Als er draußen Licht machte, um seine Schuhe anzuziehen, blieb sie im Bett. Er ging, ohne ein Wort zu sagen.

Bettina Huber

Foto: Karlheinz Fessl

Persönliches Motto

Das Leben ist kein Konjunktiv.
Nils Mohl

Literarischer Lebenslauf

In der Volksschule lernte ich schreiben.
In der Unterstufe lernte ich Grammatik, aber der Deutschunterricht verwirrte mich.
In der Oberstufe lernte ich noch mehr Grammatik, einiges über die großen Meister und Meisterinnen und war total eingeschüchtert. So sehr, dass ich mich nicht traute, Germanistik zu studieren, was ich – natürlich – seither bereue.
In meinem ersten Studium verlernte ich das Schreiben.
In meinem Doktoratsstudium lernte ich es neu, lernte aber auch, dass ich ein Thema brauche, und dass dieses Thema nicht unbedingt naturwissenschaftlicher Art sein sollte, wenn zeitnah ein Ergebnis herauskommen soll.
In dieser Zeit lernte ich auch mich zu öffnen. In der ersten Schreibwerkstatt (Leondinger Akademie für Literatur) gab es endlose Diskussionen um einzelne Wörter und Sätze – ich liebte es! Ich lernte mit Kritik umzugehen: mich ihr zu stellen, sie zu üben, sie zu verwerfen anzunehmen einzuspeisen. Ich lernte, dass manche Kritik ein Lob ist, auch wenn sie nicht so daher kommt.
In meinem dritten Studium lernte ich, dass knapp vorbei auch daneben ist. Auch wenn es sowas wie literarischen Journalismus gibt.
In den Jahren danach lernte ich vor allem mich selber kennen.
Gerade lerne ich mich neu zu erfinden und meine Grenzen zu überschreiben …

Literarische Veröffentlichungen

Alberndorfer Anthologie Nr. 11 (2019)

Persönliche Homepage

https://autorinnenkreisfederspiel.wordpress.com/2021/11/12/bettina-huber/

Emailadresse

bettina.Huber@liwest.at

Leseprobe

Sicher kein Ort. Nirgends (3)

Vici Lunz: Beständiger Weg des Lebens


Die trüben Augen wandern über das Meer als wären sie auf der Suche nach etwas. Die Falten zerfurchen das Gesicht. Die Haut ist schlaff, das schlohweiße Haar zu einem Knoten im Nacken zusammengebunden. Ich versuche ihrem Blick zu folgen. Doch der wandert unentwegt am Horizont auf und ab.
„Das hier ist Glück“, sagt sie mit fester Stimme.
In dem hölzernen Gartenstuhl blickt sie majestätisch auf ihr „Königreich“ hinab. Auf die Bucht, über den steilen Abhang bis zu der Stelle, an der das Meer mit dem Himmel verschmilzt.
„Ich bin glücklich. Immerhin habe ich gelebt, ich habe viele Menschen getroffen, vieles ist passiert. Und wenn ich hier sitze, weiß ich, dass alles, was ich gesehen und erlebt habe, Schritte meines Weges hierher waren.“
Ich kann ihren Blick spüren, der nun auf mir ruht. Als ich mich ihr zuwende, blicke ich direkt in ihre Augen. Sie sind so blau wie das Meer unter uns. Immer noch ist sie schön. Keine verwelkte Schönheit, sondern eine veränderte.
„Glück ist nicht die Abwesenheit von Unglück. Es ist aber auch nicht das Erreichen von allem, was man sich wünscht.“
Wir sitzen schweigend nebeneinander. Ich denke nach, was Glück für mich ist
„Zuerst müssen wir zufrieden sein – mit uns selbst und dem Leben, das wir führen. Glück ist nicht ohne Zufriedenheit möglich. Wer immer das im Blick hat, was er nicht hat, wird niemals glücklich sein.“
Vielleicht muss man ein gewisses Alter erreichen, um zu erkennen, was wirkliches Glück ist, denke ich bei mir.
„Es ist aber auch eine Entscheidung glücklich zu sein.“ Sie lacht. „Wer unglücklich sein will, der ist es auch. Und wer nur glücklich sein will, der wird es auch nicht. Man muss schon wirklich entscheiden glücklich zu SEIN.“
Die Sonne taucht den Himmel und das Meer in ein zartes rot. Wie ein glühender Ball senkt sie sich auf das Meer hinab.
„Ich spüre immer noch das Salz auf meiner Haut, die Sonne in meinem Gesicht, höre die Tanzmusik und spüre die Hand des Burschen an meiner Hüfte – den Kuss auf meinen Lippen“, mit einem neckischen Lächeln wandert ihr Blick wieder in die Ferne. „Nichts hat sich verändert. Ich bin noch dieselbe – denke die gleichen Gedanken, habe die gleichen Ängste und Freuden. Und doch ist alles anders geworden.“
Mein Schweigen lässt sie weitersprechen. „Die Welt ist eine andere geworden – manchmal langsam, manchmal schneller. Ich bin alt geworden. Jeden Tag spüre ich es mehr. Alles ist beschwerlich geworden – sitzen, gehen, stehen. Aber ich bin immer noch ich. Wir werden alle alt, Schritt für Schritt. Keiner kann es aufhalten. Wir können versuchen uns zu wehren, aber es wird vergebens sein. Also bleibt uns nichts, als es zu akzeptieren – das Beste daraus zu machen.“
„Aber du scheinst mit dir im Reinen zu sein.“
Sie stößt ein verächtliches Schnauben aus. „Die Jungen denken immer, die Alten sind mit sich im Reinen – sind Weise geworden. Aber das ist nicht wahr.“
Bei den letzten Worten fixierte sie mich wieder mit ihrem Blick. Er ist so fest, dass ich ihm nicht standhalten kann.
„Auch ich hadere – mit dem Alter, mit der Welt, manchmal mit mir selbst. Ich weiß, wenn man jung ist, hadert man auch. Aber man kann noch Pläne machen, davon träumen die Welt zu verändern oder ganz einfach die eigenen Träume verwirklichen. Irgendwann plant man nicht mehr zu weit voraus, man weiß schließlich nicht, wie viel Zeit einem noch bleibt. Man weiß, dass sich die Welt nicht nach den eigenen Vorstellungen verändern wird, weil man zu oft gesehen hat, dass sie es nicht tut.“
Ich schweige wieder. Mein Blick ruht auf der Unendlichkeit des Meeres.
„Irgendwann hat man nichts mehr – keine Wünsche, keine Träume, keine Familie und keine Freunde. Die Träume haben sich in Luft aufgelöst. Die Wünsche sind alle erfüllt oder werden es nicht mehr werden. Freunde und Familie sind gestorben, Kinder weggegangen, um ihr eigenes Leben zu leben. Man ist allein. Wie ein Relikt aus vergangener Zeit, vom Tod vergessen.“
Sie seufzt und schweigt einen Augenblick. „Aber das klingt alles als wäre ich verbittert.“
Ich möchte in ihrem Gesicht lesen. Doch als ich sie ansehe, scheint es mir, das Lächeln eines jungen Mädchens zu erblicken – nur für einen Augenblick.
„Wir sind alle auf der Suche, wir sind Suchende – unser Leben lang. Erst wenn wir alt werden, werden wir zu Findern. Und wenn wir versuchen den anderen bei der Suche zu helfen, wollen sie nichts davon wissen. Aber das ist auch gut so, denn sie müssen jeden Schritt selbst gehen.“
Die Sonne ist nun fast im Meer versunken. Die Brise wird kühler.
„Kannst du mir eine Decke holen?“, bittet sie mich. Wieder versuche ich in ihren Augen zu erkennen, was sie mir eigentlich sagen will. Und wieder blitzt mir kurz der jugendliche Schalk entgegen, wie ich ihn von mir selbst kenne. Wortlos stehe ich auf und gehe ins Haus, begleitet von ihren Blicken.

*

Ich trete wieder in den Garten hinaus. Er liegt ganz still, während die Sonne den Himmel mit letzter Kraft in rotes Licht taucht, bevor sie ins Meer stürzt. Der Stuhl steht an derselben Stelle wie zuvor. Aber jetzt ist er leer – sie ist verschwunden.
Allein bleibe ich zurück. Eine Müdigkeit erfasst mich und ich lasse mich in den Sessel sinken. Unser Weg führt unweigerlich in die Zukunft, ins Alter – Schritt für Schritt. Erschöpft schließe ich die Augen. Begonnen hat es schon vor langer Zeit.