Dramolett: Auerhahn

Pius, der junge Jäger
Sie
Er
aus dem Lautsprecher ertönt Ferdls Stimme, der Schrei des Gänsegeiers , der Schrei des Auerhahns

Pius, der junge Jäger, klettert auf eine mächtige Fichte und hängt einen Lautsprecher auf. Er stellt das Gerät ein. Sein Handy läutet. Er holt es aus der Tasche und drückt auf Empfang.
Pius: Ja? Jetzt hängt der letzte Kasten. Schalt ein. Ja. Das wird einfahren bei den Touristen, da werden´s schau´n die Städter. Ein Pluspunkt mehr auf unserer Homepage. So an Wald wie wir hat keiner.
aus dem Lautsprecher: ertönt ein langgezogener Schrei eines Gänsegeiers.
Pius: verärgert Ja spinnst denn du Ferdl, ich habe gesagt, ich brauch den Schrei von einem Auerhahn nicht vom Gänsegeier, die gibt´s ja bei uns schon lange nicht mehr. Du rufst jetzt sofort beim Professor an und fragst ihn um die richtige CD. Hast mi?
aus dem Lautsprecher: ertönt Ferdls Stimme Ja
Pius: Das will ich meinen. Das erledigst du gleich, denn morgen ist es schon zu spät.
aus dem Lautsprecher: Ja
Ein Liebespaar kommt des Weges und grüßt den Förster der vom Baum steigt und sein Gewehr nimmt.
Er: Guten Tag
Sie: Hallo
Pius: Hängt sich sein Gewehr um und geht. Griaß eng.
Liebespaar: Sie warten bis der Jäger weg ist, dann beginnen sie sich zärtlich zu streicheln. Sie tauschen verliebte Blicke aus.
Sie: So ein schönes Platzerl. Sie lässt sich auf dem Waldboden nieder.
Er: setzt sich neben sie Ja und vor deinem Mann haben wir auch eine Ruh.
aus dem Lautsprecher: ertönt der Ruf eines Gänsegeiers.
Sie: ängstlich Hast du das gehört?
Er: fühlt sich gestört Den Vogel?
Sie: Den kenn ich nicht. Der muss hier irgendwo in der Nähe sitzen.
Er: Ein Zaungast vielleicht.
Sie: Pause Ist der gefährlich? Pause Sie blickt ängstlich auf ihn. Das hat sich angehört, als säße er dort im Ast.
Er: schaut Ich seh´ nichts. Es gibt oft Vögel die sich verlieren. Die Flüsse von heute haben sich verändert und deshalb kennen sie den Weg von oben nicht mehr und dann fliegen´s alle verkehrt.
Sie: Du und wann der krank ist?
Er: Geh bitte. Pause Er will sie streicheln und küssen. Sie ziert sich. Er gibt ihr Recht, damit er nicht länger gestört ist. Ja der klingt ein bisserl heiser.
Sie: Vielleicht hat ihn der Jäger abschießen wollen.
Er: Der ist geschützt. Das ist ein seltener Vogel, das hört man.
aus dem Lautsprecher: ertönt noch einmal der Schrei des Gänsegeiers.
Sie: Letzte Woche haben´s im Radio gesagt, dass wieder die Vogelgrippe ausgebrochen ist und die Henderln den Virus überall verbreitet haben. Die ist hoch ansteckend und gerade die Wildtiere im Wald sind gefährdet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der Mensch ansteckt. Wirst schon sehen in ein paar Monaten tragen wir alle einen Mundschutz und müssen Impfen gehen. Die Ministerin hat schon LKW Ladungen von den Masken bestellt.
Er: Er seufzt, steht auf und unterbricht sie. Na, dann werde ich halt nach dem Vogel suchen und ihn verscheuchen, sonst sind wir umsonst hier herauf gestiegen. Sie grantelt ihn an.
Sie: Ich weiß du nimmst mich nicht ernst, aber das mit dem kranken Vogel kommt von der globalen Erwärmung.
Er: lacht Jetzt sei bitte nicht gleich eingeschnappt.
Sie: zu sich Ich habe kein gutes Gefühl. Sie ruft ihm nach. Bleib da! Ich will nicht alleine sein. Sie steht auf.
Er: beim Abgehen Was kann denn passieren, keiner weiß, dass wir hier sind. Ich bin in deiner Nähe Schatzl. Geht ab um den Vogel zu suchen.
Sie: sucht einen dicken Ast, spricht sich Mut zu So jetzt kommt mir keiner zu nahe.
aus dem Lautsprecher: Er hat sie nicht, aber ich werde sie schon kriegen.
Sie: Sie fährt auf und blickt suchend umher Hallo? Ist da wer? Pause Wer ist da?
aus dem Lautsprecher: Jetzt stirbst´. Ferdl lacht laut auf. Ha, ha… Man hört wie ein Gänsegeier schreit und sein Schrei abgewürgt wird. Gleich kommt der Auerhahn.
Sie: Hallo! Wer ist da? Sie gerät in Panik. Das ist kein Spaß mehr! Ich bin bewaffnet. Zeigen sie sich! —Sie beginnt hysterisch zu weinen und sie ruft nach ihrem Freund, sie wird dabei immer lauter, bis sie einen spitzen Schrei ausstößt. Als sie das Rascheln im Busch bemerkt, hebt sie den Ast mit beiden Händen auf und…
Er: Als er ihr Schreien hört, läuft er zurück und springt aus dem Busch und…
Der Schlag bricht ihm den Schädel. Der Freund sieht sie erstaunt an und fällt tot um.
Sie:. Nach und nach realisiert sie, was sie gemacht hat. Sie kniet sich auf den Boden und sieht nach, ob er noch atmet. Stille
Pius: Der Jäger kommt zurück gelaufen und erstarrt, als er die Leiche auf dem Waldboden sieht. Kann ich helfen? Jetzt erst realisiert er die Szene und blickt entsetzt auf sie. Was treiben´s denn da?
Sie: Sie lässt den Ast fallen. Sie stottert. Ich, ich, ich war´s net.
Pius: Er zielt mit dem Gewehr auf sie. Das kann jeder sagen. Lassen´s den Ast liegen.
Sie: Aber, ich, das ist ein Missverständnis.
Pius: So, so des seh´ ich aber anders.
Sie: Das war ein Unfall. Sie beginnt zu weinen.
Pius: Hat er sie unsittlich berührt?
Sie: Nein! Ihr wird schlecht und sie wankt. Ich habe ihn geliebt.
Pius: Haben sie ihn aus Eifersucht erschlagen.
Sie: Nein, ich bin verheiratet. Sieht auf die Leiche. Das ist mein Freund.
Pius: zeigt mit dem Gewehr auf einen kleinen Weg. Gehen´s, da auf den Weg.
Sie: Sie gehorcht ihm widerwillig.
Pius: Das hätt ich mir nicht ´dacht von ihnen. Sie zwei haben so nett…
Sie: unterbricht ihn So war es nicht. Ich…
Pius: Er deutet ihr mitzukommen und führt sie ab.
Nur mehr der Wald bleibt zurück. Stille
aus Lautsprecher: ertönt der Ruf des Auerhahns

 

© Iris Hanousek-Mader 20.08.2012 Waidhofen