Der Fall Schinagl

Thomas-Thalia[Foto: Harald Brachner]

Thomas Buchner

Der Fall Schinagl: Ein Linz-Krimi aus den 1930er Jahren

Mord im Ständestaat: Eine Zeitreise ins Linz zwischen den Weltkriegen.

 Eine Leiche im Hof der Dollfußschule
Linz, 1935: Im Hof der Dollfußschule entdeckt der Hausmeister eine Leiche. Der Tote wurde erschossen, es gibt allerdings kaum Spuren, und auch die Identität des Opfers ist unbekannt. Vermisst scheint ebenfalls niemand zu werden. Doch bald keimt der Verdacht, es könnte sich um einen politisch motivierten Mord handeln – es gibt Indizien, dass es sich bei dem Toten um Karl Schinagl handeln könnte, einen ehemaligen Führer des sozialdemokratischen Schutzbundes. Das Problem dabei ist nur: Schinagl sollte eigentlich im Zuchthaus sitzen …
Bezirksinspektor Steininger unter Druck
Bezirksinspektor Josef Steininger mag es geruhsam. Er schätzt gutes Essen, Zeit mit der Familie und die Ordnung im Gemeindebau. Dass er, auf Wunsch des Polizeipräsidenten, diesen heiklen Mordfall lösen muss, bringt ihn in arge Bedrängnis. Und dann gibt es auch noch Streit mit seiner Frau, Sohn Rudi offenbart, dass er Schauspieler werden möchte, und mit den Nachbarn führt Steininger ohnehin einen zähen Kleinkrieg.
Linz am Vorabend des Zweiten Weltkriegs – eine Zeitreise
Düstere Stimmung liegt über der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Während die Menschen noch mit den Folgen des Ersten Weltkriegs, mit finanzieller Not und Unsicherheit zu kämpfen haben, gärt es unterhalb der Oberfläche des austrofaschistischen Ständestaates. Man scheut sich, offen seine Meinung zu sagen – und wahrt nach außen hin den schönen Schein des braven Bürgers.
Thomas Buchner lässt das Linz der 1930er Jahre lebendig werden – und entführt Sie in eine spannende Zeit voller Unsicherheiten und Umbrüche.

Thomas Buchner, geboren 1974 in Linz. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Salzburg und ist seit 2014 in Amstetten als Archivar tätig. Als Historiker, der bereits zahlreiche wissenschaftliche und literarische Publikationen veröffentlicht hat, ist er Spezialist für Streifzüge durch die Vergangenheit Österreichs.


Rezension

„Der Fall Schinagl“ von Thomas Buchner ist mehr als ein Kriminalroman. Und auch mehr als ein „Linz-Krimi. Dennoch ist er auch ein Krimi mit allen Zutaten: einer zunächst unbekannten Leiche, einem ungeklärten Selbstmord, zahlreichen Spuren, mehr oder minder begabten Kriminalisten und dubiosen Verdächtigen.
Der Roman ist aber vor allem das Psychogramm eines Menschen in einer Zeit der Unsicherheit und Verunsicherung: Bezirksinspektor Steininger, der als Beamter und als Menschen einfach nur sein kleines Leben leben möchte, und durch diesen Fall in eine existenzielle Krise gerät, und zwar beruflich als auch privat. Nicht selten keimt beim Lesen eine vorschnelle Verachtung für sein kleinbürgerliches Dasein auf, doch immer wieder spiegelt sich in diesem Dasein das Ausgeliefertsein, der Überlebenskampf in einer Umbruchszeit, der Nachsicht und Verständnis, ja Mitleid für den Protagonisten aufkommen lässt.
Die genaue Kenntnis der Lokalität Linz ermöglicht es dem Autor, diese vergessene und verdrängte Zeit erstehen zu lassen, wobei sich immer wieder Verbindungen zum Heute ergeben, die die Leserin bzw. den Leser nachdenklich machen. Nicht zuletzt gibt es skurrile Situationen, die sich oft erst aus einem lakonischen Kommentar des Autors zu den Geschehnissen erschließen.
Die Spannung wird an einigen Stellen auch dadurch gesteigert, dass der Autor ausgehend vom Ergebnis eines Ereignisses dieses rückblendend erzählt und für den zunächst überraschten Leser verständlich macht.
Die literarische Qualität wird nicht nur in einer dem Lokalkolorit angemessenen Sprache sichtbar, sondern auch in der über eine reine Beobachtung hinausgehende Beschreibung der Ereignisse, wodurch man Einblick in die seelische Befindlichkeit der Protagonisten erhält, in ihre zunächst banal erscheinenden existenziellen Sorgen, die ihr Leben im So- und nicht Anderssein prägen. Dadurch wird die Zeitgebundenheit aufgehoben und es entsteht ein Spiegelbild menschlicher Existenz.

W. S.

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